Schule: Deine Rechte!

Täglich erfahren wir Schülerinnen und Schüler von unseren Pflichten, die uns das Schulunterrichtsgesetz (SchUG), unsere Hausordnung und unsere Lehrkräfte vorschreiben - doch welche Rechte haben wir als SchülerInnen?

Hier sind die wichtigsten Informationen über eure Rechte! 

 

1. Strafen - was ist erlaubt?
Im Schulunterrichtsgesetz ist klar geregelt, welche "Strafen" Lehrer verteilen dürfen. Verboten sind jede Art von körperlicher Züchtigung, also Gewalt, Handgreiflichkeiten, weiters Beleidigungen und Strafen an der ganzen Klasse. Es darf also z.B. nicht die ganze Klasse bestraft werden, wenn "der Schuldige" nicht gefunden wurde.
Erlaubt sind nach Paragraf 47 Absatz 1 Schulunterrichtsgesetz angemessene "persönlichkeits- und gemeinschaftsbildende" Erziehungsmittel. Im Klartext heißt das, dass Lehrer Schüler ermutigen und loben dürfen und bei Fehlverhalten sind Zurechtweisung, das nachträgliche Erfüllen von versäumten Pflichten, Verwarnungen, Gespräche mit dem Lehrer (eventuell auch mit deinen Eltern) möglich.

Bei besonders heftigen Fällen sind auch folgende Konsequenzen durch die Direktion möglich:

  • Versetzung in eine Parallelklasse
  • Wenn ein Schüler in massiver Form seine Pflichten an der Schule nicht erfüllt und sogar eine Gefahr für Lehrer und/oder Schüler darstellt, kann auch eine Suspendierung von der Schule angeordnet werden.
    Allerdings muss dazu eine Konferenz innerhalb der Schulbehörde einberufen werden. Dort wird dann besprochen, wie vorgegangen werden soll und möglicherweise in der Folge dann ein Antrag auf Suspendierung an den Bezirksschulinspektor in der Bezirkshauptmannschaft gestellt. Als Schüler hat man vor der Entscheidung über die Suspendierung, das Recht auf Anhörung, um sein eigenes Verhalten rechtfertigen zu können. Die Suspendierung darf höchstens vier Wochen dauern.
  • Im schlimmsten Fall kann es zu einem endgültigen Ausschluss von der Schule kommen.

2. Wann kann man von der Schule "fliegen"? 

Einfach ausgedrückt, kann ein Schüler dann von der Schule fliegen, wenn er seine schulischen Pflichten in schwer wiegender Weise verletzt und alle möglichen Erziehungsmittel keine Veränderung bringen und der Schüler eine Gefährdung darstellt. Allerdings geht einem tatsächlichen Ausschluss ein Prozess voraus. Es muss ein offizieller Antrag gestellt werden, der Schüler muss sich rechtfertigen können, man hat die Möglichkeit Einspruch zu erheben, etc. Solltest du von einem Ausschluss bedroht sein, kannst du dir jederzeit Hilfe holen, z.B. bei den Kinder- und Jugendanwaltschaften in ganz Österreich.

 

3. Nachsitzen

Nachsitzen als Strafe ist nicht zulässig. Erlaubt ist das Nachsitzen, um versäumte Pflichten nachzuholen. Das wäre z.B. möglich, wenn du unentschuldigt im Unterricht gefehlt hast, dann kann dich der Lehrer nachsitzen lassen, damit du die verpassten Aufgaben, Übungen etc. nachholen kannst. In dieser Zeit muss der Schüler dann aber auch beaufsichtigt werden.

 

4. Hausübungen

Lt. Schulunterrichtsgesetz müssen die Hausaufgaben ohne Hilfe erledigt werden können. Es darf also kein neuer Stoff als Hausübung erarbeitet werden. Zusätzlich sind die Lehrer verpflichtet, beim Ausmaß auch auf die Unterrichtsstunden am betreffenden Tag zu achten und auch auf die Hausübungen in den anderen Fächern. Für die Praxis bedeutet das, dass wenn ein Lehrer wiederholt sehr viel Hausübung gibt, sodass sie wirklich kaum zu schaffen ist, dann ist es eine Möglichkeit, dass ihr euch als Klasse zusammen schließt und als erstes z.B. mit dem Klassenvorstand sprecht.

 

5. Hausübungen übers Wochenende erlaubt?

Hausübungen, die ausschließlich an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen bzw. während der Ferien erledigt werden müssten, dürfen nicht aufgegeben werden. Außer in lehrgangsmäßigen Berufsschulen, dort wäre das möglich.
Das bedeutet, dass eine Hausaufgabe, von Freitag auf Montag aufgegeben werden kann. Allerdings muss sie mit allen anderen gestellten Hausaufgaben, inklusive auch Vorbereitungszeiten für Schularbeiten und Tests, alleine am Freitag zu erledigen sein.

 

6. Selbst entschuldigen:

Ab der 9. Schulstufe können sich Schüler selbst für das Fehlen in der Schule entschuldigen. Allerdings müssen sich die Eltern davor schriftliche damit einverstanden erklären, dass sich ihr Kind ab sofort alleine entschuldigen darf.

 

7. Handys:

Während des Unterrichts darfst du weder Telefonieren, noch SMS schreiben. Ob das Handy für den Unterricht verwendet werden darf (z.B. zum Notieren der Hausübung), entscheidet die jeweilige Schule bzw. eventuell auch die Lehrkraft.

In Puncto Handy Abnehmen gilt: Lehrer dürfen Gegenstände dann abnehmen, wenn sie die Sicherheit gefährden oder den Unterricht stören. Das bedeutet, dass der Lehrer das Handy wegnehmen darf, wenn du damit störst, allerdings muss er das Handy zu Unterrichtsende zurückgeben! Außer es wäre die Sicherheit gefährdet bzw. es besteht der Verdacht einer Straftat.

Lehrer dürfen auch keine SMS auf deinem Handy lesen, außer es besteht der Verdacht einer Straftat. Gibt es z.B. den Verdacht, dass du Gewaltvideos auf deinem Handy hast, darf die Lehrkraft dein Handy durchsehen.

 

8. Recht auf Prüfung!

Einmal pro Semester kann sich jeder Schüler, in jedem Fach (außer Leibesübungen), auf seinen Wunsch, mündlich prüfen lassen! Das macht vor allem dann Sinn, wenn man sich z.B. in der Note verbessern möchte oder eine verpatzte Schularbeit ausbessern möchte. Die Anmeldung muss allerdings rechtzeitig erfolgen, damit die Prüfung auch noch realistisch gemacht werden kann. Die Äußerung des Wunsches etwa 2 Tage vor der Notenkonferenz ist sicher zu spät.

 

9. Schularbeit wann wiederholen, welche Note?

Wenn mehr als die Hälfte der Schüler bei einer schriftlichen Prüfung oder Schularbeit ein "Nicht Genügend" bekommen, muss die Prüfung wiederholt werden. Was viele nicht wissen: Die bessere Note muss dann als Leistungsfeststellung herangezogen werden!

 

10. Schularbeitsstoff, wann bekannt geben?

Der Stoff für eine schriftliche Prüfung oder Schularbeit muss spätestens eine Woche davor bekannt gegeben werden! Der Lehrer hat dann auch eine Woche Zeit, diese zurückzugeben. Nur bei z.B. Krankheit des Lehrers kann diese Frist um bis zu einer Woche verlängert werden.

 

11. "Nicht Genügend" durch Schummeln?

Wenn man beim Schummeln erwischt wird, darf der Lehrer die Arbeit nicht mit "Nicht-Genügend" bewerten! Die Arbeit ist dann wie eine nicht erbrachte Arbeit zu werten, also so, wie wenn du gar keine Arbeit geschrieben hättest. Du musst die Schularbeit oder den schriftlichen Test nachholen.

 

 

Quellen: Rat auf Draht: http://rataufdraht.orf.at/?story=13673
Bmukk: http://www.bmukk.gv.at/schulen/recht/gvo/schug.xml